Krott goes Bulli - 01

Veröffentlicht am 29. Juni 2026 um 08:57

Sie träumt so vor sich hin: Das hätte schon was: Einfach einsteigen und losdüsen. Vielleicht mal kurz in den Schwarzwald oder an die Ostsee – oder lieber gleich Italien? So schnell mal wie Hannibal über die Alpen, aber ohne Elefanten. Das hätte schon was.

CO₂-Bilanz? Sie winkt ab: Solange der amerikanische Präsident Blödsinn erzählt und seine Familie sich bereichert, der Durchschnittsdeutsche SUV – egal ob elektrisch oder anders – fährt und dieser seltsame ehemalige Südafrikaner Raketen ins All schießt, warum soll sie dann allein das Klima retten?

Die Frau Schildkrott, von ihren Freunden manchmal liebevoll „die Krott" genannt, ist ein wenig neidisch. Der Neffe vom Zeisig, was der Frau Schildkrott ihre andere Hälfte ist, hat sich einen Camperbus umgebaut und fährt jetzt mit Freundin und Berner Sennenhund fast jedes Wochenende irgendwohin.

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Nein, wenn schon, dann will sie auch ordentlich zur Klimakatastrophe beitragen. Und wenn sich ihr Gewissen doch regen sollte, dann lässt sie einfach ein paar Bäume in Afrika pflanzen.

Es gibt da allerdings ein oder zwei Probleme, die nicht ganz so einfach wie ihr Gewissen lösbar sind:

Erstens: Die finanzielle Seite.

Zweitens: Der Zeisig.

So träumt sie erst einmal einfach weiter. Sie will ja nicht einfach so ein nullachtfünfzehn-modernes, womöglich selbstgebautes Camperdingsbums. Nein, wenn schon, dann ein VW-Bulli Camper. So ein toller Oldtimer, möglichst schnieke.

Könnte sie sich gut vorstellen: Einfach spontan losbrummen. Ganz gemütlich mit VW-Motor an einem See mit Waldrand anhalten, ihren Laptop auspacken und losschreiben.

 

Sie wäre wahrscheinlich sehr viel produktiver, wenn sie so einfach mal kurz in die Natur fahren könnte. Weg vom Haushalt, dem Herrn Zeisig, dem Hund und der Katze.

Sie ist sich total sicher: Sobald sie mit dem Bulli unterwegs wäre, dann wäre sie deutlich produktiver – so als Autorin.

So gesehen ist einfach der Mangel an einem VW-Bulli an ihrer Schreibblockade der letzten Jahrzehnte schuld. Eigentlich ein Wunder, dass sie es irgendwie geschafft hat, zehn Bücher zu veröffentlichen. Mit Bulli wären es sicherlich schon an die einhundert.

Komisch, dass der Zeisig dieses Argument nicht gelten lassen will.

 


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